October 1, 2008
Jeff Koons in Versailles:
Zugegeben, das Schloss Ludwig XVI. in Versailles bei Paris ist nur im weitesten Sinne eine Luxusimmobilie in heutigen Sinn, schon allein weil es zwar auch Wohnraum war, aber in erster Linie aus politischen Beweggründen so entstand, wie wir es heute kennen, also ehr ein Repräsentationsbau.
Dennoch lebten im Ursprung viele Menschen dort, im Mittelpunkt natürlich der Sonnenkönig selbst, um den sich das Universum drehte. Aber wenn wir auf seine Geschichte zurückblicken lässt, sich sagen, dass das ursprüngliche Jagdschlösschen Ludwigs XIII. nach seiner Umwandlung zur Residenz Ludwig XIV. der letzte Schrei war. Der Bau der Anlage stand unter der Oberaufsicht der damaligen Stararchitekten Louis Le Vau, Charles Le Brun und André Le Nôtre. Auch die Ausstattung hatte nur das feinste vom feinen. Neben dem allseits bekannten Spiegelsaal, der zum Trendsetter für andere Bauherren wurde, ließ es sich Ludwig XIV. an nichts mangeln. Das Interieur wurde von vielen bedeutenden Künstlern der Zeit gestaltet.
Nun trifft also dieses mittlerweile historische Ambiente auf zeitgenössische Kunst. Und wie man schon vermuten kann, ist es nicht irgendein zeitgenössischer Künstler, der hier ausstellen darf: es ist der Amerikaner Jeff Koons, derzeit einer der teuersten lebenden Artisten weltweit. Als erstem lebendem Künstler, wird Koons mit einer Ausstellung Einzug in die Gemächer des Sonnenkönigs gewährt.
In den weltberühmten, mit Wand- und Deckengemälden, Spiegeln, vergoldeten Stuckarbeiten und Boiserien verschwenderisch ausgestatteten Räumen treffen wir auf einen übergroßen pinkfarbenen Pudel, der mit dem ihm umgebenen historischen Pomp wetteifert. Symbolisiert das knallrote Herz des Sonnenkönigs Neigung zur Liebelei? Weißt das Schwein in Engelsbegleitung auf die spätere Versaillesbewohnerin Marie Antoinette hin, die mit ihrem Bauerhof dem aufklärerischen Motto zurück zur Natur zu folgen meinte? Oder steht doch ehr der „Rabbit" für den Glanz der Epoche? Wie für den historischen Spiegelsaal geschaffen scheint Jeff Koons „Moon" zu sein. Bettet er sich doch hervorragend in den barocken Prunk ein. Traditionelles Ambiente und zeitgenössische Kunst reflektieren sich hier gegenseitig. Selbstverständlich darf auch ein weiterer König nicht fehlen: Michael Jackson, der "King of Pop".
Bei dieser Gesellschaft sind natürlich Kritiker nicht fern, die die Ausstellung als „Sakrileg" bezeichneten. Dennoch ist Jeff Koons optimistisch: „Bei vielen meiner Skulpturen habe ich mir gesagt, ja, das hätte der Sonnenkönig beim Erwachen gerne gesehen." Da mag er denn vielleicht auch Recht haben. Zumindest könnte man sich einen zeitgenössischen Ludwig XIV. ganz gut bei einer Auktion bei Christie's oder Sotheby's vorstellen. Hätte er wohl dazu beigetragen, die Preise von Jeff Koons Kunstwerken weiter in die Höhe zu treiben?
Wie dem auch sei, derzeit ist die Kunst von Jeff Koons hoch im Kurs. Wenn Sie also auch gerne ein wenig Luxusflair für ihre gute Stube hätten …
Die nächste Versteigerung mit einem Objekt von Jeff Koons findet am 11. Oktober statt. De Vuyst in Lokeren / Belgien bietet drei Skateboards mit dem Titel „Monkey Train" an. Der Schätzpreis liegt zwischen 2.000 und 2.800 €, also sozusagen ein Schnäppchen. Etwas teuerer wird es dann am 17. Oktober bei Sotherby's in London: hier wird die kleine Edelstahlfigur „Two Kids" (58,4 x 36,8 x 36,8 cm) von Jeff Koons angeboten. Der Schätzpreis liegt hier zwischen 200.000 und 300.000 £ (ca. 250.000 bis 380.000 €) …
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