October 9, 2008

Eine neue Pyramide für Paris!

Wie in diesen Tagen bei einer Pressekonferenz mit dem Bürgermeister von Paris Bertrand Delanoë bekannt gegeben wurde, wird Paris wohl um eine Pyramide reicher.

Bertrand Delanoë, Bürgermeister von Paris (mit Mikrofon), bei der Pressekonferenz in Paris und (v. l. n. r.) Guillaume Poitrinal, Chef des Immobilienkonzerns Unibail-Rodamco, Herzog und die stellvertretende Bürgermeisterin Anne Hidalgo

Bertrand Delanoë, Bürgermeister von Paris (mit Mikrofon), bei der Pressekonferenz in Paris und (v. l. n. r.) Guillaume Poitrinal, Chef des Immobilienkonzerns Unibail-Rodamco, Herzog und die stellvertretende Bürgermeisterin Anne Hidalgo

Der durch die Pressekonferenz aufgezeigte Rahmen weißt darauf hin, dass Paris, trotz der weltweiten Finanzkrise, seine Bedeutung durch ein weiteres architektonisches Symbol unterstreichen will. Da kommt die Bauform der Pyramide natürlich gerade passend daher; gilt sie doch als mystisches Statussymbol. Dementsprechend hat das neue Gebäude schon jetzt einen originellen Namen mit „Ramses Delanoë", freilich wird in der französischen Presse ehr von „Tour Triangle" gesprochen.

Insgesamt wäre es wohl etwas naiv hinter diesem Projekt nicht auch ein Prestige- oder Machtsymbol des amtierenden Bürgermeisters zu vermuten, sozusagen als Gegenpart zu den aktuellen Bauvorhaben in La Défense, wo sich der Präsident Nicolas Sarkozy gütlich tut; zumal Delanoës Ambitionen mittlerweile über die lokale Ebene hinausgehen. Auch begäbe sich der erste Bürger von Paris in eine traditionsreiche Reihe von weiteren Politikern, die sich architektonische Denkmäler setzten. Im Pyramidenzusammenhang ist hier sicher François Mitterand zu nennen, der ehemals über den Bau der Glaspyramide von Ieoh Ming Pei im Louvreinnenhof die Gemüter bewegte.

Im Gegensatz zur Louvrepyramide wurde der „Tour Triangle" jedoch bisher ehr mit Wohlwollen aufgenommen, was nicht zuletzt auf seine Lage zurückzuführen ist. Er wird nicht im Herzen der Stadt im geschichtsträchtigen Zentrum von Paris entstehen, sondern an der südwestlichen Peripherie, nahe dem Messegelände und der Porte de Versailles, zwar am Stadtrand, aber dennoch intra-muros.

Möglich wird der geplante Bau übrigens erst durch die Aufhebung eines Verbots des Pariser Stadtrates, auf die Präsident Sarkozy drängte: 30 Jahre lang war es untersagt Gebäude zu errichten, die höher als 37 Meter sind. Nun ist der Weg frei, um auch architektonisch den Anschluss an andere Metropolen zu finden, deren Skylines sich eben durch immer höhere Türme auszeichnen.

Das Vogelnest in Peking des Architekturbüros Herzog & de Meuron

Das Vogelnest in Peking des Architekturbüros Herzog & de Meuron

Dass wir es bei dem „Tour Triangle" mit einem Prestigeobjekt zu tun haben, zeigt auch die Auswahl der Architekten. Entworfen wurde das knapp 200 Meter hohe Gebäude vom schweizerischen Architekturbüro Herzog & de Meuron, die unter anderem in Deutschland die Münchener Allianz Arena gebaut haben. Noch viel bekannter dürfte einer der zuletzt fertig gestellten Projekte des Büros sein: das Nationalstadium in Peking, auch „Vogelnest" genannt.

 

 

Der « Tour Triangle » in Paris, eine kristalline Pyramide

Der « Tour Triangle » in Paris, eine kristalline Pyramide

Wenngleich der „Tour Triangle" nach den Wünschen der Architekten und der Stadtverwaltung möglichst viele Einrichtungen beherbergt werden sollen, die frei zugänglich sind, so ist er doch kaum mit dem Vogelnest zu vergleichen: weder über die noch nicht vollends festgelegte Nutzung, noch über die Architektur an sich. Bei dem Bau mit trapezförmigen Grundriss (200 m x 35 m) handelt es sich um eine verschlankte Pyramide, will heißen, dass sie zwar von den Längsseiten her die typische Dreiecksform besitzt, jedoch von den Schmalseiten her ehr an das Profil eines gewöhnlichen Wolkenkratzers erinnert. Entsprechend der Grobform werden die Fassaden auch unterschiedlich gestaltet werden. Einerseits wird es glatte Flächen geben, andererseits aber auch kristalline Oberflächen aus Glas und Stein, die Assoziation an etwas Naturgewachsenes wecken.

Geplant sind 50 Stockwerke und Cafés und Ladenlokale im Erdgeschoss. In ca. 40 Metern Höhe soll es eine Panoramaterrasse und noch höher eine frei zugängliche Aussichtsplattform geben. Wie die Pyramide zwischen diesen Etagen genutzt wird, ist noch offen. Die Finanzierungsgruppe Unibail-Rodamco würde gerne ein geräumiges Vier-Sterne-Hotel und Büroräume einrichten. Irgendwie müssen die bisher nicht bezifferten Baukosten ja wieder in die Firma zurückfließen. Wünschenswert für die Anwohner wäre sicher auch das diskutierte Schwimmbad, eine Bibliothek oder gar ein Museum. Dies würde die gesellschaftliche Einbindung des neuen Komplexes sicher erleichtern.

Urbane Integration, nicht nur über die Rekonstitution historischer Sichtachsen, sondern auch durch Formwiederholung

Urbane Integration, nicht nur über die Rekonstitution historischer Sichtachsen, sondern auch durch Formwiederholung

Rein formal haben die Architekten allerdings schon an die Anrainer gedacht: das Gebäude soll kaum Schatten auf die Umgebung werfen. Auch wird durch die Anordnung auf einer schmalen Grundfläche und der Verlängerung der Rue de Vaugirard die Anlage eines Parks ermöglicht. Zusätzlich wird so die historische, von Haussmann konstruierte Achse zur Avenue Ernest Renan wieder hergestellt. Die Umweltverträglichkeit ist durch die Nutzung von Sonnen- und Windenergie gesichert.

Grundsteinlegung soll in ca. 18 Monaten sein. Über die Projektfertigstellung gibt es jedoch unterschiedliche Aussagen: mehrfach wird 2014 angeben, genannt wird aber auch das Präsidentenwahljahr 2012. Ein Schelm, der Böses dabei denkt …

 

Projekte von Herzog & de Meuron

Filed under Blog by Astrid

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