October 13, 2008

Schlösser und Burgen: das Draculaschloss in Bran, Rumänien

Draculas Schloss in Transsylvanien

Draculas Schloss in Transsylvanien

Wie allseits bekannt, kann das echte Draculaschloss nur in Transsylvanien liegen. Hier „lebte", laut dem irischen Schriftsteller Bram Stoker, Ende des 19. Jahrhunderts, also zu Zeiten der K.u.K. Monarchie (Österreich-Ungarn) der Graf Dracula und trieb sein Unwesen. Da der Roman seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1897 immer wieder die Gemüter bewegte und bis heute unzählige Male die Grundidee zu Filmen lieferte, ersparen wir uns an dieser Stelle die Details. Das Alles ist Legende …

Historisch belegt, ist nur die Existenz des Grafen Vlad III. Drăculea, der möglicherweise um 1395 kurze Zeit auf der Burg gefangen gehalten wurde. Aber auch dies ist nicht zweifelsfrei Nachgewiesen. Sicher ist hingegen, dass der Ort Törzburg (heute: Bran) erstmals 1357 urkundlich erwähnt wurde. 1377 wurde auf dem Dietrichsstein am Berg Königsstein erstmals eine Grenz- und Zollburg, die Törzburg, errichtet. Diese blieb bis 1427 unter ungarischer Herrschaft. Anschließend erhielt die Stadt Kronstadt den Besitz. In seiner langen Geschichte wurde die Burg mehrfach belagert, jedoch selten eingenommen. Eine der größten Zerstörungen war wohl die des Pulverturms im Jahre 1593. Das im Turm gelagerte Schießpulver hatte sich selbst entzündet.

Königin Maria liess einen Aufzug in den Brunnenschacht einbauen

Königin Maria liess einen Aufzug in den Brunnenschacht einbauen

Im 19. Jahrhundert nahm die strategische Bedeutung der Törzburg ab. In Folge des Zusammenbruchs der K.u.K. Monarchie, vermachte Kronstadt 1920 die Anlage der rumänischen Königin Maria, die es alsbald zu ihrem Sommersitz machte. Sie ließ das mittelalterliche Gemäuer dem damaligen Luxusstandart entsprechend umbauen. Es wurde mit Warmwasser und einem Aufzug im alten Brunnenschacht ausgestattet, um der Königin den Weg in den Park zu erleichtern. Die neue Möblierung war zeitgemäß in Jugendstil gehalten.

Nach Marias Tod erbte ihre Tochter Ileana von Rumänien Schloss Bram. Als nach dem zweiten Weltkrieg das kommunistische Regime die Macht in Rumänien übernahm, wurde die Anlage enteignet und damit zum Staatsbesitz. Die Kommunistische Regierung ließ die ehemalige Sommerresidenz wieder in eine mittelalterliche Burg zurückverwandeln. Auf Informationstafeln wurden Besucher über die Ausbeutung der Bauern im Lehnssystem aufgeklärt.

Die Verbindung zum Dracula-Mythos wurde erst in den 1970-er Jahren geschaffen. Das Ceausescu-Regime öffnete das Land für westliche, Devisen bringende Reisende, die mit Rumänien in erster Line den blutrünstigen Grafen verbanden. So wurde die von Stoker beschriebene mittelalterliche Törtzburg zum originalen Draculaschloss.

Erst 1990, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, gestaltete die Museumsleitung Schloss Bram wieder so, wie es die königliche Familie einst zurück ließ. Dennoch blieb die Anlage weiterhin ein beliebtes Ziel der weltweiten Dracula-Fan-Gemeinde. Im erstarkenden Kapitalismus konnte der Hype erst richtig losgehen: die umliegenden Cafés bieten Dracula-Cocktails an. Unterhalb der Burg installierten sich Souvenir-Stände, an denen die Dorfbewohner Dracula-T-Shirts und andere Andenken verkaufen. Für den Ort Bran ist das Schloss heute die wichtigste Einnahmequelle.

Doch genau diese ist seit 2006 gefährdet: Im Zuge einer der größten Restitutionskampagnen die jemals in Osteuropa durchgeführt wurde, wurde Schloss Bram in einer offiziellen Zeremonie an den Erben der Prinzessin Ileana zurückgegeben: Dominic von Habsburg. Die am 26. Mai 2006 unterzeichneten Rückgabeverträge beinhalten eine Klausel, dass das Schloss noch drei Jahre lang Museum bleiben muss. Für die gleiche Zeit besteht ein Vorkaufsrecht für den rumänischen Staat. Diese Dreijahresfrist läuft nun im nächsten Jahr ab.

Da das Draculaschloss eine der wichtigsten Wirtschaftsquellen der Region darstellt, wollte das Regionalparlament von Basov die Burg zurückkaufen. 60 Millionen Euro waren veranschlagt, die der Landkreis durch einen Kredit aufbringen wollte. Jedoch waren nicht alle Mitglieder der Regierung in Bukarest mit der Summe einverstanden. Sie hielten den Preis einfach für zu hoch. Inzwischen gibt sogar ein Verfahren, dass prüft, ob die Rückgabe überhaupt rechtens war.

2007 hat Dominic von Habsburg nun die private, amerikanische Investmentfirma Baytree Capital beauftragt, einen langfristig angelegten Plan zu entwickeln, der das historische Schloss Bran in Transsylvanien und der Region konserviert. Wie weit diese Pläne gediehen sind, ist derzeit unklar. Auf der Homepage von Baytree Capital befindet noch immer die Presseerklärung von Juni 2007.

Falls Sie an einem geschichtsträchtigen und mythosbeladenen Schloss in Transsylvanien interessiert sind, sei es der Historie, der Sage oder der Landschaft wegen, oder aber als Kapitalanlage, sollten Sie sich also an Baytree Capital wenden. Allerdings müssen Sie vermutlich etwas tiefer in die Tasche greifen, als ursprünglich vom rumänischen Staat erwartet wurde. Die Gerüchte sagen, dass es Angebote über 100 Millionen Euro gibt.

 

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Filed under Blog by Astrid

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