November 5, 2008

Sotheby’s in finanziellen Schwierigkeiten

Kommt Sotheby's unter den Hammer?

Kommt Sotheby's unter den Hammer?

Gestern dachten wir, dass die Immobilienkrise schlimm ist; heute denken wir an die Bankenkrise, aber morgen werden wir vielleicht miterleben, wie der seit Jahren aufgeblasene Kunstmarkt zusammenbricht.

Wenngleich der XXL-Luxus-Immobilenmarkt (noch) nicht von der allgemeinen Krise betroffen zu sein scheint, gibt es erste Anzeichen dafür, dass ein anderer hochkarätiger Mark langsam die allgemeinen Folgen der Finanzkrise zu spüren bekommt. Trotz des noch vorsichtigen Optimismus Mitte Oktober vor der Londoner Kunstmesse Frieze, gibt es erste Anzeichen auf dem Kunstmarkt, die das Schlimmste befürchten lassen. Das Auktionshaus Sotheby's bekam dies bei seiner Herbstauktion in London erstmals zu spüren. Dementsprechend fielen seine Aktien in den letzten drei Monaten dramatisch: vom ehemaligen Stand von 56 US-Dollar (gut 36 Euro) auf nur 8 US-Dollar (ca. 5,20 Euro).

Das Unternehmen musste sich gerade weitere 250 Millionen US-Dollar (knapp 163 Millionen Euro) leihen. Damit liegen die Schulden wohl bei rund 620 Millionen US-Dollar (gut 403 Millionen Euro). Sicher haben die letzten Auktionen in London und Hongkong auch zu dieser Situation beigetragen. Sotheby's musste eingestehen, 15 Millionen US-Dollar (knapp 10 Millionen Euro) verloren zu haben, da den Anbietern vorab hohe Erlöse garantiert wurden. Nun muss das Unternehmen für die Werke haften, die ihr Minimum nicht erzielten oder unverkauft blieben. Das Problem verschärft sich noch einmal durch die mit 1,6 Milliarden US-Dollar (rund 1 Milliarde Euro) bezifferten Außenstände. Diese stammen häufig von Russischen Milliardären, die Zahlungsunfähig geworden sind.

Eine direkte Auswirkung dieser Situation hat sich schon bei den letzten Sotheby's-Auktionen in London und New York gezeigt: offensichtlich sind die Anbieter verunsichert. Beispielsweise sollte ein Picasso-Gemälde, „Arlequin" versteigert werden. Der erwartete Verkaufspreis wurde beim Aufsetzen der Versteigerung mit 20 Millionen US-Dollar (rund 13 Millionen Euro) angegeben. Jedoch wurde dieses Prestigestück zurückgezogen. Wie aus den Unternehmenskreisen zu verlautbaren war, aus privaten Gründen. Selbstverständlich trennt man sich nicht so leicht von einem Picasso, aber die Koinzidenz mit den finanziellen Problemen von Sotherby's stärkt sicher nicht das Vertrauen.

Andererseits sei auch zu erwähnen, dass auf der Herbstversteigerung in London 72 Prozent der Lose verkauft wurden, wenngleich teilweise unter Preis. Aber vielleicht ist dies ja auch das Startsignal für Kunstfreunde, das ein oder andere Schnäppchen zu ergattern.

Idee: Mark Knowles, Übersetzt von Astrid

Filed under Kunst by Astrid

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