December 15, 2008

Histoirische Luxusimmobilien: Schlösser und Burgen in Europa

Teil 1: Frankreich

In Europa gibt es unzählige Schlösser und Burgen zu besichtigen. Daher muss vorab gesagt werden, dass die Auswahl sehr persönlich ist. Natürlich gibt es einige Schlösser, die allseits bekannt sind, aber dennoch nicht übergangen werden sollten. Aufgrund der Vielzahl der verschiednen sehr sehenswerten Anlagen beschränken wir uns in diesem Artikel nur mit einer kleinen Auswahl von französischen Schlössern und Burgen.

Purer Luxus: Versailles

Purer Luxus: Versailles

Versailles

Nicht unerwähnt bleiben kann selbstverständlich das barocke Schloss von Versailles. Selbst wenn Sie schon einmal dort waren, werden Sie auch bei einem erneuten Besuch immer noch etwas Neues entdecken können.

Das ehemalige Jagdschloss Ludwig XIII. wurde ab 1661 für Ludwig XIV., dem Sonnenkönig  um- und ausgebaut. Verantwortlich für das eigentliche Schloss war zunächst Louis Le Vau, später folgten andere Architekten. Die Innenausstattung schuf Charles Le Brun und die riesigen Gartenanlagen stammen von André Le Nôtre.

Die gesamte Anlage, einer der größten Paläste Europas, ist wesentlich mehr als ein königlicher Repräsentationsbau. Sie ist der Stein gewordene Ausdruck der absolutistischen Herrschaft Ludwig XIV. Das Schlafzimmer des Sonnenkönigs befindet sich im Zentrum des Baus. Wenn er erwachte, erwachte der ganze Hofstaat. Sowohl die Architektur als auch die Menschen kreisten wie Planeten um die Sonne. Durch die Gartenanlagen wird die Unterwerfung der Natur unter den Willen des Königs deutlich. Sumpfgebiete wurden trocken gelegt, künstliche Seen erschaffen.

Bringen Sie bei einer Besichtigung genügend Zeit mit, damit Sie auch die Trianonschlösser und das Dorf der Königin besuchen können. Schon für die Gartenanlagen alleine benötigen Sie viele Stunden. Natürlich braucht man auch viel Zeit, um das innere dieses Prachtbaues zu entdecken. Da der Ort Versailles selbst auch recht hübsch ist, wäre vielleicht sogar ein Aufenthalt von mehreren Tagen angebracht.

Zur offiziellen Webseite von Versailles geht es hier.

Das Schloss von Ludwig XIV Finanzminister: Vaux-le-Vicomte

Das Schloss von Ludwig XIV Finanzminister: Vaux-le-Vicomte

Vaux-le-Vicomte

Versailles wäre ohne das Schloss Vaux-le-Vicomte absolut undenkbar. Es ist sozusagen der Vorgängerbau für den Palast Ludwig XIV. Zwischen 1656 bis 1661 wurde die ca. 6 km östlich von Melun gelegene Anlage für den Finanzminister Nicolas Fouquet errichtet. Zuständig waren wie in Versailles Louis Le Vau als Architekt, Charles Le Brun für die Innenausstattung und André le Nôtre für die Gartenanlage.

Die Legende besagt, dass Ludwig XIV., als er die prunkvolle Einweihungsfeier von Vaux-le-Vicomte besuchte, sehr erzürnt war, dass jemand ein prächtigeres Schloss als er selbst besaß. Zumal es auch noch sein Finanzminister war. Egal ob aus Neid oder wirklich wegen Veruntreuung von Staatsgeldern, Fouquet wurde drei Wochen nach dem Fest Abgesetzt und inhaftiert. Die Architekten des Schlosses bauten ein noch viel prächtigeres, eben Versailles.

Auf der Webseite des Schlosses gibt es sogar einen Video.

Fontainebeau beherbergte nicht nur Könige, sondern auch Künstler

Fontainebeau beherbergte nicht nur Könige, sondern auch Künstler

Schloss Fontainebleau

Ebenfalls von kunsthistorischer Bedeutung ist das Schloss Fontainebleau. Die Anlage liegt 60 km südlich von Paris und ist der erste große Renaissancebau auf französischem Boden. Ursprünglich stand auch hier ein Jagdschloss, wie in Versailles. Franz I. und später Heinrich II. ließen sich Fontainebleau ab 1528 von dem Architekten Philibert Delorme errichten.

Ab 1530 arbeiteten italienische Künstler wie Rosso Fiorentino an der Ausstattung. Damit kamen auch manieristische Stilelemente nach Frankreich. Ludwig XIV. ließ die Parkanlage mit einem großen Kanal anlegen. Fontainebleau ist nicht nur wegen seines architektonischen Ensembles bedeutend. Auch die Erste und die Zweite Schule von Fontainebleau waren prägend für Entwicklungen in den schönen Künsten.

Erotische Anspielungen waren ein Stilelement der Zweiten Schule von Fontainbleau

Erotische Anspielungen waren ein Stilelement der Zweiten Schule von Fontainbleau

Franz I. lud italienische Künstler in sein Schloss ein, um dort zu arbeiten. Wichtige Vertreter sind Fiorentiono, Primaticcio und später auch Nicolò dell'Abbate. Viele ihrer Werke, die hauptsächlich die Innenausstattung betrafen sind zerstört, jedoch bieten Teppiche mit Kopien der Bildausstattung die Möglichkeit, einen Eindruck der Arbeiten zu erhalten.

Als Henri IV. Fontainebleau ab 1590 umfassend restaurieren, lud er abermals Künstler ein. Diesmal kamen sie mehrheitlich aus Flandern und Frankreich. Das Markenzeichen dieser Zweiten Schule war eine Vorliebe für erotische Werke. Um einen Eindruck über den Stil zu geben soll hier Beispielhaft das Bild „Gabrielle d'Estrées mit ihrer Schwester, der Herzogin von Villars" eines anonymen Künstlers genannt werden. Allerdings ist es nicht mehr an seinem Entstehungsort, sondern heute im Louvre. Übrigens ist der Louvre auch ein ehemaliges Schloss französischer Herrscher. Besucher kommen aber heute in erster Linie wegen der großartigen Sammlung von Kunstschätzen.

Weitere Informationen über Fontainebeau finden Sie hier und hier, über den Louvre hier.

Schlösser der Loire

Der Ursprung der Loireschlösser liegt weit in der Geschichte zurück. In der Zeit des Hundertjährigen Krieges (1337 bis 1453) entstanden hier viele Festungen als Bollwerk gegen die Engländer und zum Schutz des Französischen Kernlandes. Nach Ende der Auseinandersetzungen verloren die in erster Linie gotischen Burgen ihre strategische Bedeutung und verfielen. Später wurden auf deren Fundamenten ab dem 16. Jahrhundert die heutigen Schlösser errichtet. Von hier aus herrschten die Feudalherren über ihre Lehen. Mit der Zentralisierung der politischen Macht nach Paris hin (ab1528), in deren Folge die schon oben genannten Schlösser entstanden, verlor das Loiretal seine politische und kulturelle Bedeutung. Diese wurde zwar unter Katharina von Medici (ab 1547) noch mal wiederbelebt, jedoch kam es zu keiner erneuten Blütezeit. Trotzdem wurde viele Schlösser weiterhin als Jagdschlösser oder Sommerresidenzen genutzt und entsprechend der jeweiligen Mode angepasst. So findet man heute sämtliche Baustile von der Renaissance über den Barock, den Klassizismus bis hin zum Historismus. Insgesamt gibt es über 400 Schlossanlagen an der Loire und ihren Nebenflüssen.

Als besonders Sehenswert sind folgende Schlösser zu nennen:

In Ambroise ruht Leonardo da Vinci

In Ambroise ruht Leonardo da Vinci

Amboise

Wenngleich das Schloss Amboise zunächst einmal den Eindruck einer wehrhaften Burg vermittelt, ist es doch eines der ersten, in das Stilelemente der Renaissance integriert wurden. Hier verstarb König Karl VIII 1498. Im nahe gelegenen Herrenhaus verbrachte Leonardo da Vinci seine letzten Lebensjahre. Heute ist das Haus ein Museum mit Fresken und Modellen nach da Vincis Entwürfen. In der St. Hubert-Kapelle des Schlosses gibt es eine dem Künstler gewidmete Grabplatte. Hier sollen seine sterblichen Überreste ruhen.

Später, im 17. Jahrhundert war Amboise auch zeitweise Staatsgefängnis. Der bekannteste Inhaftierte war Nicolas Fouquet, der Bauherr von Vaux-le-Vicomte.

Die Gärten von Villandry sind auch für ihr dekoratives Gemüse bekannt

Die Gärten von Villandry sind auch für ihr dekoratives Gemüse bekannt

Villandry

Das Schloss Villandry ist nicht nur architektonisch sondern auch für die Geschichte des Gartenbaus von Bedeutung. Die 1536 fertig gestellte Anlage ist die letzte im Renaissancestil erbaute an der Loire. Mittelalterliche Elemente und italienische Einflüsse fehlen fast ganz. Anstatt dessen kündigt sich der einfache französische Stil an. Damit bildet das Schloss u. a. die Grundlage für Fontainebleau.

Die nach alten Stichen rekonstruierten Gärten sind nicht nur mit Zierpflanzen dekoriert. Auch verschiedene Gemüsearten sind zu finden. In Schachbrettartig angelegten Kompartimenten sind Kohlsorten und Salate und vieles mehr eine Augenweide.

Einen Eindruck vermittelt die Webseite des Schlosses.

Chambord: Luxus für einen politisch ungeschickten König

Chambord: Luxus für einen politisch ungeschickten König

Chambord

Eines der bekanntesten Loireschlösser ist Chambord. Es wurde ab 1519 für Franz I. errichtet. Dieser wollte mit seinem Prachtbau an der Loire seine politischen und wirtschaftlichen Misserfolge überdecken. Jedoch diente der Palast nur als Jagdschloss für den Hofstaat. Neun Jahre nach Baubeginn, wurde das Zentrum der Macht nach Paris verlagert.

Die doppelte Wendeltreppe von Leonardo da Vinci

Die doppelte Wendeltreppe von Leonardo da Vinci

Besonders sehenswert ist die von Leonardo da Vinci entworfene doppelläufige Wendeltreppe, deren Wege sich nicht Kreuzen. Der Legende nach beliebte der Bauherr hier die Damenwelt zu foppen, da die Treppe von zwei Personen gleichzeitig in entgegen gesetzter Richtung bestiegen werden kann, ohne dass sie sich begegnen.

Weiter Informationen zu Chambord liefert die Webseite.

Es gibt noch viele wunderschöne Schlossanlagen in der Region. Ein mehrtägiger Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Viele der Schlossanlagen sind übrigens im Stundenbuch des Herzogs von Berry (um 1485) in ihrem damaligen Zustand abgebildet. 

Da die bisher vorgestellten Anlagen in erster Line Schlösser der Neuzeit sind, möchten wir abschließend auch noch kurz ins Mittelalter zurückgehen. Eine der Burganlagen, die einen ausführlichen Eindruck über die Architektur dieser Zeit vermitteln ist die Altstadt von Carcassonne im Süden Frankreichs.

Carcassonne

Carcassone: ein mittelalterliches Stadtensemble

Carcassone: ein mittelalterliches Stadtensemble

Carcassonne liegt ca. 70 km nordwestlich von Perpignan am Fluss Aude und am Canal du Midi. Die Stadt wurde im 1. Jahrhundert vor Christus von den Römern gegründet. Das historische Herzstück ist die Cité, eine Befestigung von 14 Hektar Größe. Im Mittelalter lebten hier Drei- bis Viertausend Menschen. Im 13. Jahrhundert befand sich die zentrale Verwaltung der Inquisition von Süd-Frankreich in der Stadt.

Im 19. Jahrhundert wurde die gesamte Anlage von dem Architekten Eugène Violett-le-Duc restauriert. Sie wird von einer gut erhaltenen doppelten Stadtmauer umgeben. Darin befinden sich das Château Comtal und die Basilika Saint-Nazaire.

Das Château Comtale im Herzen der Festung

Das Château Comtale im Herzen der Festung

Die eigentliche Burg, das Château Comtal, war der Wohnsitz der Grafen von Carcassonne. Die Fundamente gehen auf einen Domus (römische Siedlung) des 1. Jahrhunderts zurück. Von der Anlage aus dem 12. Jahrhundert ist heute noch der Donjon (Wehrturm) teilweise erhalten. Ab 1229 wurde die Burg mehrfach verändert, da ab dieser Zeit die Sénéchausée (Hauptverwaltungsort des Lehnsgebietes) hier beherbergt war. Zwischen 1240 und 1250 entstand die Stadtmauer mit ihren Rundtürmen.

Ein Besuch der Festung lässt Sie in die Mittelalterliche Welt eintauchen. Einen Vorgeschmack können Sie beim Lesen verschiedenster Mittelalterromane erhalten oder bei einem Blick auf die Webseite der Stadt.

Filed under Kunst, Luxusimmobilien, Reiseziele, schlösser und burgen by Astrid

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