March 23, 2009

Frankreich: Asyl für ausländische Immobilienkäufer?

Die Côte d'Azur: hier kaufen Ausländer am liebsten Immobilien

Die Côte d'Azur: hier kaufen Ausländer am liebsten Immobilien

Wie die „Libération" letzte Woche meldete präsentierte BNP Paribas International dieser Tage eine Studie in äußerst positiven Ton. Es sollte der Eindruck erweckt werden, dass die Immobilienkrise die, wie in vielen Ländern auch in Frankreich sämtliche Marktsegmente betrifft, wie durch ein Wunder die Nische der ausländischen Käufer, ohne ständigen Wohnsitz im Hexagon ausspart.

Jedoch belegen die von Notaren gelieferten Zahlen eigentlich eine andere Tendenz. Hinzu kommt, dass die Erhebung 2007 endet. Nach einer Spitze der Vertragsabschlüsse dieser Käuferschicht im Jahr 2005 (36 133 Transaktionen) gab es nochmal eine weitere Steigerung von 28 % im Jahr 2006 (46 325 Transaktionen). Hingegen war schon 2007 durch einen Rückgang von 5 % gekennzeichnet. Für 2008 insgesamt ist sicher kein erneuter Anstieg der abgeschlossenen Kaufverträge zu erwarten, wenngleich noch im Sommer Megasummen von ausländischen Investoren gezahlt wurden.  Da diese aber 2009 oftmals wieder von den Vorverträgen zurückgetreten sind, wird es wohl für dieses Jahr eher noch schwärzer.

Abgesehen von der Konjunkturellen Sichtweise, ist es interessant auf die Herkunft der ausländischen Käufer in Frankreich zu blicken. Mit Abstand die meisten Akquisitoren haben einen britischen Pass. Es sind 26 %. Es folgen die Italiener (9 %), die Portugiesen (7 %), die Belgier (6 %), die Iren (4 %) und schließlich die Spanier, Niederländer und Deutschen (jeweils 3 %). Dies scheint nicht sehr zu überraschen. Weniger bekannt dürfte aber sein, dass 9 % der ausländischen Investoren vom Afrikanischen Kontinent stammen. Bei den bekannte Mammutkäufen der Russen, fragt man sich natürlich wo diese in der Statistik bleiben. Da die Statistik jedoch nur die Summe der Transaktionen und nicht deren Wert berücksichtigte, wird die Anzahl der russischen Käufer im Vergleich mit anderen Nationalitäten eher gering sein. Dies wird insbesondere dann klar, wenn man den Durchschnittspreis der Immobilien betrachtet. Für Häuser wurden im Mittel 298.380 Euro ausgegeben, für Appartements 209.747 Euro. Da fallen Luxusvillen wie die Leopolda doch eher aus dem Rahmen.

Ein weiterer Gesichtspunkt waren die Regionen, in denen Ausländer ohne ständigen Wohnsitz in Frankreich Immobilien kauften. Die Region Provence-Alpes-Côte d'Azur lag mit 25 % wenig überraschend an der Spitze. Ein Schwerpunkt auf Côte d'Azur liegt wohl sehr nahe. Es folgen die Region Rhône-Alpes (16 %) und die Ile-de-France (15 %), wobei auch hier wahrscheinlich Paris ein starker Anziehungspunkt ist. Languedoc-Roussillon (9 %) und Aquitaine (7 %) deuten, wie schon die Côte d'Azur auf eine starke Anziehungskraft von Meer und Sonne hin. Wenngleich eine gewisse Käuferschicht auch die Berge bevorzugt.

Die Befragung von BNP Parisbas pflegt zusätzlich auch den französischen Nationalstolz: 69 % der ausländischen Käufer hatten nie die Absicht in einem anderen Land als in Frankreich eine Immobilie zu erwerben. Nur 19 % überlegten zuvor alternativ beispielsweise in Spanien oder Italien zu investieren. Diese haben sich aber dann doch für die Grand Nation entschieden, weil sie die französische Kultur, die Sprache oder den Lebensstil bevorzugten. Weitere Motive waren, dass dieses Klientel bereits häufig im Land war, sei im Urlaub oder der Arbeit wegen, das touristische Interesse, die Existenz von familiären oder freundschaftlichen Verbindungen oder auch die niedrigen Lebenshaltungskosten. Gerade der letzte Punkt wird für Deutsche, die schon einmal Urlaub an der Côte d'Azur gemacht haben erstaunlich klingen und für die Engländer, nach dem Verfall des Britischen Pfunds ein weniger wichtiges Argument sein.

Filed under Blog by Astrid

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