April 16, 2009
Luxusimmobilie wird Museum: Wo die deutschen Kanzler hausten …

Hier wohnten bis 1999 die deutschen Bundeskanzler
Der ehemalige Kanzlerbungalow in Bonn, „das edelste Einfamilienhaus der deutschen Politik", wie die Welt titelte, wird heute, nach umfassenden Renovierungsarbeiten durch die Wüstenrot Stiftung durch den Chef des Bundeskanzleramts, den Bundesminister Dr. Thomas de Maizière feierlich als Museum eröffnet. Ab Mai soll es erstmals der breiten Öffentlichkeit zugänglich sein.
„Der Kanzlerbungalow in Bonn gehört zu den herausragenden Bauten der deutschen Nachkriegsmoderne, in dem Zeitgeschichte geschrieben wurde. Ludwig Erhard beauftragte den Architekten Sep Ruf 1963 mit der Planung des Kanzlerbungalows. Ruf entwarf eine sachlich moderne, transparente Architektur und unterstrich damit die Funktion des Hauses als Ort der Begegnung und des Gesprächs. Nach Erhard nutzten die Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und kurze Zeit auch Gerhard Schröder den Bungalow. Bis auf Willy Brandt und Gerhard Schröder, denen das Gebäude nur für repräsentative Veranstaltungen und Gespräche diente, hatten alle Kanzler hier ihren Bonner Wohnsitz.
Das seit dem Regierungsumzug 1999 leerstehende Gebäude wurde 2001 unter Denkmalschutz gestellt. 2005 hat die Wüstenrot Stiftung der Bundesregierung angeboten, den Kanzlerbungalow in ihr eigenes Denkmalprogramm für die Erhaltung und Revitalisierung hochkarätiger Bauten der Moderne aufzunehmen. Nach Durchführung einer Machbarkeitsstudie 2006 und Abschluss der Bauherren- und Nutzungsverträge mit der Eigentümerin (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat die Wüstenrot Stiftung 2007 mit der baulichen Instandsetzung, Sanierung und Restaurierung begonnen. Die Arbeiten wurden Anfang 2009 abgeschlossen." schreibt das Haus der Geschichte, Bonn in seiner Pressemitteilung zur Eröffnung.
Der flachgedeckte Bungalow wurde als „eingeschossiges, zum Teil extrem aufgeglastes Haus ausgeführt. Einfühlsam in die fein modulierte Topographie des Parks implantiert, fügen sich zwei Atrien-Baukörper mit unterschiedlichen Höhen und Dimensionen zu einer liegenden, leicht gegeneinander versetzten Acht unter einem gemeinsamen, die Horizontale akzentuierenden Dach zusammen und durchdringen sich auf räumlich staunenswerte, dabei lässige Weise.
Inmitten des nach außen verschlossen wirkenden, verklinkerten Wohnbereichs ruht ein uneinsehbarer Pool, auf den fast alle Wohnräume ausgerichtet sind. Im Zeitalter maßstabsloser Wellnessbadewannen, die Zyklopen oder ganze Schulklassen aufnehmen können, wirkt der Pool winzig. Er ist vielleicht drei auf sechs Meter groß. Dennoch kam es zum Skandal. Wegen des Minischwimmbads wurde das Haus Erhards als "Ludwigslust" beschimpft und als "Palais Schaumbad" (es lag in Nähe des Palais Schaumburg). Erhard tat uns und seiner Zeit den Gefallen: Er schäumte vor Ärger, die Presse wurde zum Richtfest prompt wieder ausgeladen. So viel zu Transparenz und demokratischer Offenheit, die der Bau vorstellen sollte." beschreibt Gerhard Matzig in der Süddeutschen Zeitung das Gebäude.
Wer sich selbst ein Bild von der Architektur machen möchte, kann sich beim Besucherdienst des Hauses für Geschichte in Bonn für Gruppenführungen anmelden Tel.: 0228/9165-400. Für Einzelbesucher gibt es wöchtliche Führungen jeweils sonntags, um 14 Uhr. Beim Treffpunkt im Foyer des Haus der Geschichte, sollten Sie bitte Ihren Personalausweis bereithalten.
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